Deine Helden - meine Träume

Klassenzimmerstück von Karen Köhler

Deine Helden - meine Träume

Jonas Brandt kommt in sein altes Klassenzimmer. Er ist die Nacht durchgefahren, ein wiederkehrender Albtraum lässt ihn nicht schlafen und treibt ihn zurück in die Heimat. Hier muss er doch irgendwo sein, der Brief, den er vor Jahren unter seinen Tisch geklebt hat, als die Polizei in die Schule kam und wissen wollte, ob jemand etwas über den Vorfall mit Mo zu berichten habe. Jonas hätte berichten können. Er war dabei gewesen, hatte gesehen, wie Mo fast zu Tode geprügelt wurde und das Blut über seine Stirn rann. Aber er hat nichts erzählt. Er ist einfach abgehauen. Jonas holt aus und sucht den Punkt, an dem seine Schuld ihren Ursprung hatte. Im Boxklub lernt Jonas seinen besten Freund kennen: Mo, eigentlich Mohammed – wie Mohammed Ali. Eine Zeit lang gibt es für Jonas außer Boxen und der Freundschaft zu Mo nicht viel. Zuhause wartet nur sein trinkender, prügelnder Stiefvater und Schule nervt sowieso. Boxen und Mo, das sind die verlässlichen Pfeiler seiner Jugend, bis Jessica in sein Leben tritt. Jessica – wunderschön und unerreichbar. Jonas schafft es tatsächlich zu Jessica nach Hause, nur leider kommt er ihrem Bruder Heiko näher als ihr. Heiko nimmt ihn in seinem Auto mit zu Lagerfeuern und Konzerten, in bierreichen Nächten ist Jonas ganz elektrisiert von dem Gefühl, endlich einer Gruppe anzugehören. Dass Heiko und seine Freunde Mo als Ausländer beschimpfen, hat für Jonas keine Bedeutung, genauso wie ihn die „Heil Hitler!“- Rufe auf den Konzerten nicht stören. Immer tiefer wird Jonas durch Heiko und seine Clique in deren rechtsradikales Netzwerk gezogen. Bis Jonas eines Abends sieht, dass Jessica und Mo sich heimlich verliebt haben und anscheinend ein Paar sind. Blind vor Wut verrät er seinen besten Freund Mo an Heiko, der die „Schande“ seiner kleinen Schwester rächen will. 

„Deine Helden – meine Träume“ ist ein Monolog über die Vorbilder, die wir uns wählen, über die Kreise, in die wir uns begeben und über die Konsequenzen, die unsere Wahl haben kann. Karen Köhler hat für dieses Stück Jugendliche aus Weimar zu ihren Träumen und ihren Helden befragt. Entstanden ist so ein kluges, realitätsnahes Stück, das eine Geschichte erzählt, die genau so hätte stattfinden können - wenn ein Traum zum Albtraum wird.

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