Die verlorene Ehre der Katharina Blum

nach Heinrich Böll

Die verlorene Ehre der Katharina Blum - oder Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann

"Personen und Handlung dieser Erzählung sind frei erfunden. Sollten sich bei der Darstellung gewisser journalistischer Praktiken Ähnlichkeiten mit den Praktiken bekannter Zeitungen und Illustrierten ergeben, so sind diese Ähnlichkeiten weder beabsichtigt noch zufällig. Sie sind unvermeidlich." 

Die Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" von Heinrich Böll erschien als Vorabdruck im Wochenmagazin "Der Spiegel" im Juli 1974, nachdem und obwohl der Springer-Verlag gegen die Veröffentlichung gerichtlich vorgegangen war. 

Böll beschreibt, wie eine junge Frau namens Katharina Blum durch ihre Affäre mit einem Straftäter ins Visier der Boulevardpresse - in Person des Jounalisten Tötges - gerät. Die zuerst "nur" sensationslüsterne Berichterstattung steigert sich mit der Zeit in verschiedenen Varianten. Nicht nur die Bloßstellung vor ihrem gesamten sozialen Umfeld als eiskaltes "Flittchen", sondern auch eine Vielzahl von obszönen, hasserfüllten Nachrichten und schließlich die sexuelle Nötigung durch Tötges und einen bekannten Industriellen sind die Folge. Auch als sich der Verdacht gegen ihren Geliebten als haltlos erweist, ebbt die Flut der "hatespeech" nicht ab. Katharina, die immer verzweifelter versucht, sich gegen diese Menschenverachtung zu wehren, greift, als ihre kranke Mutter in der Folge der Ereignisse stirbt, zum äußersten Mittel und richtet den verantwortlichen Journalisten Tötges hin.

"Die verlorene Ehre der Katharina Blum" ist bis heute das meistgelesene Prosawerk des Schriftstellers Heinrich Böll, der 1972 mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Auch wenn Bölls Motivation für diese Erzählung in den Zeitumständen der Bundesrepublik Deutschland der 1970er Jahre begründet liegt, ist die Frage nach den Mechanismen der bewussten Meinungsmache auch heute von virulenter Bedeutung.

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